Die erste Lieblingskarte muss keine seltene gewesen sein. Vielleicht war es ein Pikachu mit vertrautem Gesicht, ein Glurak aus einem Tausch oder ein Motiv, das einfach in die erste Seite des Sammelalbums gehörte. Jubiläumssets greifen genau solche Bilder wieder auf. Zwischen bekannten Illustrationen und neuen Ideen lässt sich darin ablesen, wie sich Pokémon-Karten verändert haben.
1996: Der Anfang in Japan
Am 20. Oktober 1996 erschienen in Japan das erste Erweiterungspack und das erste Starterpack des Pokémon-Kartenspiels. Die Spiele Pokémon Rot und Grün waren dort bereits am 27. Februar gestartet. Deshalb fallen der Geburtstag der Marke Pokémon und der Geburtstag des Kartenspiels auf unterschiedliche Tage.
Die offizielle Pokémon-Chronik verzeichnet den Start des Kartenspiels in den USA für Januar 1999. Wer später mit englischen oder deutschen Karten angefangen hat, verbindet den Anfang womöglich mit einer anderen Zeit. Der japanische Ursprung liegt trotzdem im Jahr 1996 – darauf bezieht sich das 30-jährige Kartenjubiläum 2026.
Quelle: offizielle Pokémon-Kartenchronik
2016: Vertraute Bilder, zwanzig Jahre später
Das japanische Set 20th Anniversary stellte den Rückblick besonders deutlich heraus. Schon die Verpackung griff das erste Erweiterungspack auf. Viele Illustrationen kehrten in einem neuen, an die ursprünglichen Karten angelehnten Format zurück; auch die Darstellung mit „LV“ und der goldfarbene Rahmen gehörten dazu.
Gleichzeitig enthielt das Set Pokémon-EX und Mega-Entwicklungen. So standen zwei Zeiten nebeneinander: Bilder aus den frühen Jahren und Kartentypen der damaligen Gegenwart. Für einen Rückblick ist gerade diese Mischung spannend. Ein altes Motiv kann vertraut wirken, während Details der neuen Karte zeigen, dass man eine spätere Ausgabe vor sich hat.
Quelle: offizielle Produktseite zu 20th Anniversary
2021: Celebrations schlägt den Bogen über mehrere Ären
Zum 25. Jubiläum führte Celebrations unterschiedliche Kapitel zusammen. Die offizielle Kartenliste nennt neben Glurak, Turtok und Bisaflor auch Mew ex, Luxtra LV.X und weitere bekannte Karten. Dazu kamen fliegende und surfende Pikachu als V- und VMAX-Varianten.
Schon diese Namen zeigen, wie unterschiedlich ein Jubiläum aussehen kann: Für manche Sammler beginnt die Erinnerung beim klassischen Glurak, für andere bei ex- oder LV.X-Karten. Ein gemeinsames Set schafft Raum für mehrere dieser Einstiege. Nicht alle müssen dieselbe Lieblingsära haben, um beim Durchblättern etwas wiederzuerkennen.
Quelle: offizielle Celebrations-Kartenliste (PDF, englisch)
30 Pikachu-Motive – acht davon genauer betrachtet
Die japanische Erweiterung 30th Celebration erschien am 16. September 2026. Für ihre Pikachu-Reihe haben 30 Illustratoren 30 unterschiedliche Motive beigesteuert. Die Idee lässt sich am besten beim Anschauen verstehen: Silhouette und Farben machen Pikachu wiedererkennbar, doch Umgebung, Stimmung und Bildsprache wechseln von Karte zu Karte.
Die folgenden acht Beispiele stammen aus dieser Reihe. Auf den japanischen Karten stehen zwei Nummern: Die Setnummer wie 017/103 ordnet die Karte in m6a ein; die zusätzliche Kennzeichnung wie 01/30 benennt ihren Platz innerhalb der Pikachu-Reihe. Alle hier gezeigten Kartenbilder sind Jubiläumsausgaben von 2026. Mit einem Klick auf ein Bild öffnest du die größere Ansicht.
Die offizielle Jubiläumsseite stellt die Pikachu-Reihe vor.
Ken Sugimori: Pikachu im Wald
017/103 in der Kartenliste
Illustration: Ken Sugimori
Ein kleines Pikachu steht zwischen Baumstämmen und grünem Waldboden. Die Pose ist aufrecht, das Gesicht offen; die Umgebung bleibt gut erkennbar, ohne die Figur zu verdrängen. Dieses Motiv lebt von einer klaren Silhouette und einer ruhigen Szene. Gerade neben den dramatischen Blitzbildern der Reihe fällt auf, wie wenig Aktion nötig ist, damit Pikachu sofort die Aufmerksamkeit bekommt.
danciao: Ein Bild voller Spannung
018/103 in der Kartenliste
Illustration: danciao
Hier scheint die Energie aus dem Bild herauszuspringen. Pikachu beugt sich nach vorn, helle Blitze laufen durch die dunklere Umgebung, und die schrägen Linien richten den Blick auf die Figur. Das gelbe Fell geht stellenweise in das Leuchten über. Die Karte zeigt dadurch eine ganz andere Stimmung als das Waldmotiv: konzentriert, laut und mitten in einer Bewegung.
James Turner: Klare Formen und ein großes Lächeln
023/103 in der Kartenliste
Illustration: James Turner
Breite schwarze Konturen, flächige Farben, kleine Blüten und ein Pokéball: James Turners Pikachu wirkt fast wie eine Illustration für einen Stickerbogen. Die kurzen Formen und das große Lächeln geben der Figur viel Ausdruck. Räumliche Tiefe spielt hier eine kleinere Rolle als bei anderen Motiven. Stattdessen zählen die Silhouette, die fröhliche Farbverteilung und die unmittelbare Lesbarkeit des Bildes.
Narumi Sato: Zwischen Blättern und Blüten
027/103 in der Kartenliste
Illustration: Narumi Sato
Pikachu sitzt dicht an einem blühenden Strauch. Rosa Blüten, grüne Blätter und kleine helle Blumen umgeben den gelben Körper. Licht und Schatten modellieren die Figur weich, sodass sie räumlich wirkt. Dabei bleibt der Blick auf Pikachus Gesicht frei. Das Bild erzählt keinen großen Kampf, sondern einen stillen Moment am Rand eines Gartens – mit vielen kleinen Details rund um die Hauptfigur.
Teeziro: Die kleine Pause vor der Haustür
033/103 in der Kartenliste
Illustration: Teeziro
Auf dieser Karte nimmt die Umgebung besonders viel Platz ein. Vor einer hohen Holztür liegt ein kleines Pikachu auf der Stufe; Pflanzen wachsen an der Fassade und rahmen den Eingang. Erst der zweite Blick entdeckt, wie gemütlich die Figur dort liegt. Das Motiv lädt dazu ein, das ganze Bild zu betrachten: die Tür, die Steinstufen, die Fenster und das Grün. Pikachu gehört hier sichtbar zu einem Ort.
Akira Komayama: Mitten im Sprung
036/103 in der Kartenliste
Illustration: Akira Komayama
Ein seitlich gezeigtes Pikachu springt durch ein Feld aus Rosa, Blau und Weiß. Die langen, schrägen Formen im Hintergrund verstärken den Eindruck von Tempo. Anders als beim detailreichen Hausmotiv bleibt wenig Zeit zum Verweilen: Körper, Schwanz und Hintergrund führen den Blick in dieselbe Richtung. So entsteht Bewegung in einem einzigen stehenden Bild, ohne dass dafür eine ganze Szene erzählt werden muss.
OOYAMA: Einfach einmal liegen bleiben
037/103 in der Kartenliste
Illustration: OOYAMA
Geschlossene Augen, eine entspannte Haltung und Sand unter dem Körper: OOYAMAs Pikachu macht Pause. Im Hintergrund sind Wasser, Himmel und Pflanzen zu sehen. Die kräftigen Umrisse und die bewusst einfache Darstellung geben der Szene einen heiteren Ton. Zwischen elektrischen Entladungen und schnellen Sprüngen setzt dieses Motiv einen kleinen Ruhepunkt. Es erinnert daran, dass Pokémon auf Karten auch schlafen, herumliegen und ihren Alltag genießen dürfen.
Nurikabe: Ein Porträt mit Licht und Schatten
043/103 in der Kartenliste
Illustration: Nurikabe
Pikachu steht nah vor uns, mit erhobenem Schwanz und einem aufmerksamen Gesicht. Warmes Licht trifft die eine Seite, während die andere stärker im Schatten liegt. Der dunkle Hintergrund lässt die gelbe Figur hervortreten. Im Vergleich zu den flächigen Comicmotiven wirkt dieses Bild plastischer und stärker auf Volumen ausgerichtet. Der Unterschied steckt weniger in der Pose als in der Art, wie Licht den Körper formt.
Dasselbe Pokémon, acht verschiedene Stimmungen
Legt man diese Motive gedanklich nebeneinander, entsteht mehr als eine Reihe ähnlicher Karten. Das Waldmotiv führt direkt zur Figur, die Haustürszene zuerst in die Umgebung. Bei danciao und Akira Komayama entsteht Tempo; OOYAMA nimmt es wieder heraus. James Turner setzt auf klare Umrisse, Nurikabe auf Licht und Volumen. Gerade weil das Pokémon gleich bleibt, lassen sich diese Entscheidungen besonders gut erkennen.
Auch der Blick auf den Hintergrund lohnt sich. Er kann einen Ort erzählen, eine Bewegung verstärken oder fast vollständig zurücktreten. Dabei braucht es kein aufwendiges Geschehen: Eine Stufe vor einer Tür, ein Stück Strand oder ein blühender Strauch reichen für eine eigene kleine Szene. Das macht die Reihe auch dann interessant, wenn man Pikachu schon auf sehr vielen Karten gesehen hat.
Alle dreißig Motive findest du in unserer Kartenliste ab Pikachu 017/103.
Die Klassiker: Kartenbilder aus unterschiedlichen Zeiten
Ein weiterer Teil von 30th Celebration greift 30 historische Karten in besonderer Jubiläumsgestaltung auf. Dabei geht es weit über die ersten Motive hinaus. Die Auswahl führt durch unterschiedliche Rahmen, Kartentypen und Bildaufteilungen. Die folgenden sechs Beispiele zeigen acht Karten – darunter auch ein Motiv, das sich über zwei Karten erstreckt.
Wichtig für den Rückblick: Wir zeigen hier die Jubiläums-Neuauflagen von 2026. Die Illustrationen beziehen sich auf frühere Karten; die abgebildeten Drucke selbst stammen aus m6a. Die Nummern und das Jubiläumszeichen helfen, beides auseinanderzuhalten.
Pikachu und Glurak: Die Bilder der frühen Jahre
136/103 in der Kartenliste
Illustration: Mitsuhiro Arita
137/103 in der Kartenliste
Illustration: Mitsuhiro Arita
Die beiden Illustrationen von Mitsuhiro Arita zeigen, wie stark ein kleines Bildfenster wirken kann. Pikachu wird fast frontal gezeigt, Glurak öffnet die Flügel vor dem warmen Hintergrund seines Motivs. Um die Bilder herum ist deutlich Platz für Werte und Text. Wer diese Gestaltung kennt, erkennt sie auch in der neuen Jubiläumsausgabe wieder. Gleichzeitig verraten Nummer, 30-Jahre-Zeichen und Oberfläche, dass hier keine Originaldrucke von 1996 abgebildet sind. Die vertraute Illustration und die konkrete Ausgabe einer Karte sind zwei verschiedene Dinge.
Lugia: Kristalltyp und ein helles Bildfenster
142/103 in der Kartenliste
Illustration: Naoyo Kimura
Lugia von Naoyo Kimura bringt eine andere Gestaltung mit. Das weiße Pokémon hebt sich deutlich vom dunkleren, blauvioletten Hintergrund ab. Auffällig sind außerdem die geschwungene Umrandung des Bildfensters und der Hinweis auf den Kristalltyp im Textbereich. Diese Version sollte deshalb nicht einfach mit jeder anderen alten Lugia-Karte gleichgesetzt werden. Im Jubiläum zeigt sie ein eigenes Kapitel: andere Rahmen, andere grafische Elemente und eine andere Art, Bild und Spieltext auf der Karte zusammenzubringen.
Darkrai & Cresselia LEGENDE: Ein Motiv auf zwei Karten
151/103 in der Kartenliste
Illustration: Shinji Higuchi / Noriko Takaya
152/103 in der Kartenliste
Illustration: Shinji Higuchi / Noriko Takaya
Hier gehört das Bild ausdrücklich zusammen. Die Karten 151 und 152 bilden die beiden Hälften von Darkrai & Cresselia LEGENDE. Dunkle, kantige Formen treffen auf lange, helle Bögen; über beide Teile laufen die Bewegungen des Motivs weiter. Die Illustration ist Shinji Higuchi und Noriko Takaya zugeordnet. Zwischen den gewöhnlich aufgebauten Karten fällt dieses Format sofort auf, weil es die einzelne Karte als Bildfläche überschreitet. Für den Rückblick ist es ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie unterschiedlich Pokémon-Karten gestaltet sein können.
Mega-Guardevoir-EX: Schrift wird Teil des Bildes
156/103 in der Kartenliste
Illustration: 5ban Graphics
Bei Mega-Guardevoir-EX von 5ban Graphics hält sich die Gestaltung nicht an ein ruhiges Bildfenster. Die Figur ragt groß in die Fläche, Farben und Strahlen füllen den Hintergrund, und die Aufschrift „BRILLIANT ARROW“ läuft quer durch das Motiv. Selbst die Schrift trägt zur Bewegung bei. Neben Pikachu und Glurak aus dem klassischen Abschnitt wird der Unterschied besonders sichtbar: Hier stehen Wirkung, Größe und Überschneidungen im Vordergrund. Die abgebildete Karte trägt die japanische Jubiläumsnummer 156/103.
Pikachu & Zekrom-GX: Ein ungleiches Duo
160/103 in der Kartenliste
Illustration: Mitsuhiro Arita
Das TAG-TEAM-Motiv von Mitsuhiro Arita lebt vom Größenunterschied. Pikachu ist hellgelb und klein, Zekrom dunkel und wuchtig; trotzdem treten beide gemeinsam nach vorn. Die Figuren teilen sich eine Bildfläche, und schon ihre Platzierung macht die Partnerschaft sichtbar. Pikachu taucht damit im selben Jubiläumsset in mehreren Rollen auf: als eigenständiges Motiv der Dreißigerreihe, als klassische Neuauflage und als Teil eines Teams. Genau solche Wiederholungen verbinden die verschiedenen Kapitel der Sammlung.
Mew VMAX: Die Figur füllt die Karte
163/103 in der Kartenliste
Illustration: 5ban Graphics
Bei Mew VMAX von 5ban Graphics bleibt die Illustration nicht in einem kleinen Rechteck. Mew nimmt einen großen Teil der Karte ein, während farbige Linien um die Figur kreisen. Der VMAX-Schriftzug und die groß gesetzten Werte gehören sichtbar zu diesem Kartendesign. Im direkten Vergleich mit den frühen Motiven fällt auf, wie viel stärker Bild, Hintergrund und Beschriftung ineinandergreifen. Auch ein jüngeres Kartenformat kann im Jubiläum bereits als wiedererkennbares Kapitel auftauchen.
Die offiziellen Kartenangaben sind bei den Illustratoren verlinkt. Sie zeigen die konkreten Jubiläumskarten, auf die sich die Bildbeschreibungen beziehen.
Mew-ex und Mewtu-ex: Ein neuer Blick zum Jubiläum
Zu den neuen Illustrationen des Sets gehören Mew-ex und Mewtu-ex als FUR, Futuristic Rare. Die Motive stammen vom Grafikkünstler YOSHIROTTEN, der auch die besonderen Basis-Energiekarten gestaltet hat. Während die Klassiker auf bekannte Bilder zurückgreifen, zeigen diese Karten einen anderen visuellen Ansatz.

Mewtu-ex 134/103 und Mew-ex 135/103, Illustration: YOSHIROTTEN. Japanische Jubiläumsausgaben von 2026.
Bei Mew-ex fallen die schimmernden Farbflächen und die vielen Formen um die Figur auf. Der Körper wirkt hell und leicht, der Hintergrund bleibt in Bewegung. Das Bild lässt sich länger betrachten, ohne dass man sich nur auf das Pokémon in der Mitte konzentrieren muss. Kleine Farbfelder und Formen lenken den Blick immer wieder an eine andere Stelle.
Damit bekommt der historische Teil des Sets einen spannenden Nachbarn. Zwischen den frühen Bildfenstern, den großen Schriftzügen der Mega-EX-Karten und den neuen FUR-Flächen wird sichtbar, wie unterschiedlich eine Pokémon-Karte aufgebaut sein kann. Das Jubiläum führt diese Bildsprachen nebeneinander, statt alles in eine einzige Form zu bringen.
Quelle für FUR und Künstler: offizielle Jubiläumsseite
Was dreißig Jahre Kartenbilder verbindet
Der rote Faden ist die Wiedererkennbarkeit. Ein Pikachu bleibt ein Pikachu, ob es auf einer Treppe schläft, als klare Comicfigur lächelt oder von Blitzen umgeben ist. Zugleich verändern Rahmen, Licht, Perspektive und Schrift die Wirkung einer Karte ganz erheblich. Gerade ein Jubiläumsset macht diese Unterschiede auf engem Raum sichtbar.
Vielleicht führt der Blick zuerst zu einer Illustration, die du schon lange kennst. Vielleicht bleibt er an einer neuen Szene hängen. Beides gehört zu einem Rückblick, der weitergeht: vertraute Bilder wiederfinden und zwischen ihnen etwas entdecken, das bisher noch nicht zur eigenen Pokémon-Geschichte gehörte.
Welche dieser Pikachu-Illustrationen spricht dich am meisten an – und welcher Klassiker erinnert dich an deine erste Sammelzeit? Die vollständige Kartenliste von 30th Celebration zeigt die Motive der japanischen Ausgabe im Zusammenhang.
Kartenabbildungen © Pokémon / Nintendo / Creatures / GAME FREAK. Die Beschreibungen der Bildwirkung sind redaktionelle Betrachtungen der gezeigten Motive.
